Beförsterung durch den Landesbetrieb

Geschrieben von Werner Schönenbrücher am .

Der für unsere Gemeinde zuständige Förster "Karsten Sieben" wird uns zum 01. Dez. 2018 verlassen und in seine Heimat nach Heilbronn wechseln. Herr Sieben war erst seit Anfang des Jahres für uns zuständig. Wann ein neuer Förster unsere Betreuung übernimmt, steht noch nicht fest. Wir wünschen Herrn Sieben alles Gute für seine Zukunft!

Bis zur Neubesetzung des Reviers wird Herr Mario Muß die Vertretung übernehmen Tel.: 0171/5871870 oder Forstamt Rhein-Sieg Tel.: 02243 92160.

Rückblick 2018
Die FBG Much blickt auf ein ereignisreiches Jubiläumsjahr zurück, in dem es viele gute Aktivitäten gab, aber auch große Probleme bewältigt werden mussten. Situation 2018: Es begann mit heftigen Stürmen im Januar. „Burglind“ und „Friederike“ führten zu starkem Windwurf in unseren Wäldern und das entwickelte sich durch den heißen und trockenen Sommer zu einer massiven Borkenkäferplage. Die riesigen Schadholzmengen kann die Holzindustrie nicht mehr aufnehmen. Trotz intensiver Bemühungen des Landesbetriebes Wald und Holz kommt es dazu, dass befallenes Holz nicht zeitnah oder sogar gar nicht vermarktet werden kann. Weiteres Thema 2018 war die Beendigung der Holzvermarktung durch den Landesbetrieb und das Finden neuer Wege zur Vermarktung unseres Holzes. Damit kommen auf die FBG weitere Aufgaben und mehr Eigenverantwortung zu. Die Jahreshauptversammlung im Februar 2017 entschied sich an einem Pilotprojekt der RWZ unter Begleitung des Forstamtes teilzunehmen.
Förster: Im Januar kam unser neuer Förster Karsten Sieben nach Much und hatte damit einen sehr „stürmischen Einstieg“. Karsten Sieben hat das Revier Much Ende November wieder verlassen und hat in seinem Heimatbundesland Baden Württemberg eine neue Aufgabe übernommen. Die Stelle in Much ist neu ausgeschrieben und der Vorstand bemüht sich z.Zt. intensiv um einen erfahrenen Nachfolger.
Schutzhütte: Im April begannen wir mit Hilfe der Fa. Merten mit dem Bau einer Schutzhütte auf der Walmwiese. Dies hatten wir uns im Jubiläumsjahr vorgenommen. Im September konnte sie eingeweiht werden und wird seither sehr gut angenommen.
Lehrfahrt 2018: Im Juni erfolgte unsere diesjährige Lehrfahrt über Speyer nach Freiburg und Straßburg. Am „Roßkopf“ bei Freiburg wurde uns sehr anschaulich der Anbau der widerstandsfähigen Weißtanne näher gebracht.
Pflanzenausgabe: Bisher organisierten wir jeweils im Frühjahr und im Herbst die Bestellung und Ausgabe der Pflanzen. In diesem Jahr hatten wir das für den Herbst nicht vorgesehen, da durch die lange Hitze und Trockenheit die Qualität der Pflanzen in den Baumschulen gelitten hat und der Boden bei uns bis in große Tiefen völlig ausgetrocknet war und somit ein Anwachsen nicht gewährleistet war. Hoffen wir, dass im kommenden Jahr nicht wieder solche Wetterextreme herrschen.Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2019.     

Termine 2019:  JHV 06.02.2019 ;  Lehrfahrt  07.06.2019

Info des Landesbetrieb

Geschrieben von Werner Schönenbrücher am .

Borkenkäfer stellt Waldbesitz vor gewaltige Herausforderung

Der Jahrhundertsommer 2018 führte in den Fichtenbeständen in NRW zur größten Borkenkäferkalamität seit 1947. Die wichtigsten Fichten-Borkenkäfer Buchdrucker und Kupferstecher sind in ihrem Auftreten abhängig von den Außentemperaturen und dem Angebot an geschwächten Fichten. Beides gab es im Sommer 2018 leider reichlich. Die Temperaturen waren seit April dauerhaft auf Rekordwerten. In Verbindung damit hat das massive Niederschlagsdefizit die Fichten enorm geschwächt. Die Borkenkäfer konnten sogar eine dritte Generation entwickeln. So konnte ein einziger weiblicher Käfer seit April 2018 über 100.000 Nachkommen schaffen.

zerfressenes HolzHorrorbild der Waldbesitzer - Buchdrucker-Vermehrung unter Fichtenrinde (Stefan Befeld, Wald und Holz NRW)

Buchdrucker und Kupferstecher hatten leichtes Spiel: normalerweise wehren sich Fichten mit Harz gegen die kleinen Eindringlinge, die darin kleben bleiben und sterben. 2018 waren die Fichten aber so gestresst, dass sie kein oder kaum Harz gebildet haben, ihr Abwehrmechanismus also quasi ausfiel. 

Die Bekämpfungsmaßnahmen konzentrieren sich in solchen Zeiten auf frisch befallene Bäume. Das sind die, in die die Käfer gerade massenhaft Eier abgelegt haben. Diese Fichten sollten gefällt und abgefahren oder entrindet werden. So stoppt man die Entwicklung der Käfer-Eier und verhindert das Ausschwärmen einer noch größeren Anzahl an Käfern im nächsten Frühjahr hin zu neuen Bäumen. Das Einschlagen von gesunden Fichten sollte zurzeit genauso zurückstehen wie der Einschlag bereits abgestorbener Bäume, aus denen die Käfer bereits ausgeflogen sind. Diese erkennt man leicht an der abgefallenen Rinde.

trockene Bäume mit einem See im VordergrundTrockenheit an Lande und zu Wasser – Die Fichten sind hier alle abgestorben und rot gefärbt, der Wasserstand im Möhnesee ist so tief gefallen, wie seit 1971 nicht mehr. (Foto: Stefan Befeld, Wald und Holz NRW)

Selbstverständlich stehen den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern die Försterinnen und Förster von Wald und Holz NRW in dieser extremen Situation beratend zur Seite. Sie vermitteln ihnen Forstunternehmer und Holzabnehmer, sofern in ihrer Region verfügbar. Denn, auch das muss klar gesagt sein: der Bedarf überschreitet leider weiterhin die verfügbaren Kapazitäten. Es gibt zu wenige Holz-Spediteure und das Angebot an Rundholz ist, obwohl die Sägewerke ihre Produktion hochgefahren haben, immer noch größer als die Nachfrage. Daher sind die Preise massiv gefallen. Im Leitsortiment Stärkeklasse 2b Güte B/C liegt der Preis derzeit rund 40% unterhalb des Niveaus zu Jahresbeginn. Leider müssen wir trotz der geringen Preise davon ausgehen, dass es nicht für alle Holzsortimente und –mengen einen Abnehmer geben wird.

Daher unser dringender Appell an die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in NRW: Bitte arbeiten Sie kein Holz ohne Rücksprache mit Ihrem Betreuungsförster oder Ihrer Betreuungsförsterin auf. Das Borkenkäferproblem ist mit dem einsetzenden Herbst nicht gebannt. Im nächsten Jahr könnte es – je nach Witterungsverlauf – sogar noch schlimmer weitergehen. Wir empfehlen zusammen mit dem Nachbarwaldbesitz, schlagkräftige Aufarbeitungs- und Vermarktungseinheiten zu bilden und sich dort abzusprechen. Der Borkenkäfer hält sich nicht an Grundstücksgrenzen.

Ausführlich dargestellt sind die erforderlichen Maßnahmen zur Bewältigung dieser ungewöhnlichen Borkenkäferkalamität in unserer aktuellen Waldschutz-Infomeldung bzw. www.waldschutz.nrw

Einweihung der „Johann Trömpert Schutzhütte“ am 07.09.2018

Geschrieben von Werner Schönenbrücher am .

 

Die Forstbetriebsgemeinschaft Much hat zu ihrem 100-jährigen Bestehen diese Schutzhütte errichtet und ihr den Namen „Johann Trömpert Schutzhütte“ gegeben.
Johann Trömpert ist der Gründer der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Much.
Er gründete 1918 den ersten Waldbauverein, dem Vorläufer der Waldwirtschafts - gemeinschaften und der Forstbetriebsgemeinschaft. Vierzig Jahre blieb er dessen erster Vorsitzender. Dieser forstliche Zusammenschluss in Much ist einer der ältesten, wenn nicht der älteste im Rheinland überhaupt.1876 in Heinenbusch geboren fing er schon als 14-jähriger mit der Pflanzung von Fichten an, deren Samen er selbst gesammelt hatte. Er legte die erste ordnungsgemäße Fichtenschonung in der näheren und weiteren Umgebung an.
Oberförster Haehn aus Bonn, damals als einziger Förster für die ganze Rheinprovinz zuständig, war von den Fichtenkulturen und dem Fachwissen von Johann Trömpert beeindruckt. Aus den Kulturen wurden Musterwälder, die zur Nachahmung anregen sollten. Erstmals wurde es möglich Einnahmen aus dem Wald zu erzielen, die bis dahin nur sehr spärlich mit Eichenschälen als Gerberlohe oder der Verwertung zu Brandholz flossen. Der Waldbauverein wurde 1950 in Folge einer Gesetzesänderung zur Waldwirtschaftsgemeinschaft und ist seit 1992 die heute rechtsfähige Forstbetriebsgemeinschaft Much. Die FBG unterstützt gemeinsam mit dem zuständigen Förster die Walbesitzer bei der Waldpflege, bei Aufforstungen und dem Holzeinschlag. Sie organisiert Pflanzenausgaben, Lehrfahrten und berufsständige Veranstaltungen. Sie betreut 550 Waldbesitzer mit einer Fläche von 1.150 Hektar.
Dank gilt allen, die zur Errichtung dieser Schutzhütte beigetragen haben:
Hier dankt der Vorstand der FBG in besonderer Weise den folgenden Firmen und Personen:
Zimmerei Merten - Heinz-Josef und Andre Merten, die diese Schutzhütte in einer besonderen Form mit Rundhölzern entwarfen und zimmerten.
Schwimmbad Trömpert – Mario und Alfred Trömpert, die ihre Maschinen und Geräte einsetzten, sowie eine Ruhebank stifteten.
Baustoffe Henrich für Schotter und Baustoffe.
BGS - Bergische Grauwacke für das Material der Bodenplatte.
Wöhler Design für die Info- und Hinweistafeln.
Bedachungen Willms-Herkenrath für Beratung und Dachfolie.
Der Gemeinde Much und dem Bauhof , sowie dem Verkehrsverein Much für ihre ideelle und tätliche Unterstützung.Die Forstbetriebsgemeinschaft Much wünscht Allen, die diese Schutzhütte besuchen einen angenehmen Aufenthalt und einen weiteren guten Weg.

Borkenkäfersituation

Geschrieben von Werner Schönenbrücher am .

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer,


Wir alle haben gehofft, dass wir ab Sommer wieder in eine einigermaßen geregelte Forstwirtschaft einsteigen können. Leider hat uns aber die Witterung einen "Strich durch die Rechnung" gemacht und wir müssen nun wieder reagieren. Diesmal nicht auf Sturmschäden, sondern auf die Borkenkäfersituation. Der extrem heiße Sommer, den wir alle in großen Zügen genossen haben, hat für die Borkenkäferpopulation ein Optimum bedeutet. Besonders ab der zweiten Sommerhälfte sieht man massenhaft Borkenkäfernester in den Fichten. Die mangelnde Wasserversorgung bei den Waldbäumen - hier ist die Fichte besonders empfindlich - führt zu einer Schwächung im Baum. Die "Lebendkonservierung" des Sturmwurfholzes - die Wurzeln sind noch mit dem Erdreich verbuden und der Baum bekommt eine Notversorgung mit Wasser - hat wegen der extremen Trockenheit im Boden nicht funktioniert. Die Fichten sind nicht in der Lage, mit starkem Harzdruck auf das Einbohren der Käfer zu reagieren. Sie werden für die Käfer leichte Beute und sterben in wenigen Tagen ab. Eine Stichprobenerhebung an einer Fichte im mittleren Bereich unseres Forstamtes hat über 40.000 Käfer, Eier, Larven und Puppen in einem Baum ergeben. Sie können sich vorstellen, in welchen Mengen die Borkenkäfer unterwegs sind.

Die Sägewerke sind bis zum Rand mit Sturmholz bevorratet und haben teilweise noch große Festmetermengen im Wald liegen. Das bedeutet, dass die Aufnahmefähigkeit der Sägewerke bundesweit und auch im angrenzenden Ausland stark eingeschränkt ist. Viele Sägewerke schließen nur zögerlich und dann auch zu deutlich reduzierten Preisen und mit strikter monatlicher Kontingentierung Verträge über Käferholz ab. Das Sturmholz drückt noch und man möchte verständlicherweise den Überblick nicht verlieren. Ein weiteres Nadelöhr sind die Transportkapazitäten. Es ist für Händler und Säger nicht leicht, eine gute Transportlogistik aufrecht zu erhalten. Und auch die Forstunternehmer sind nur in beschränktem Maße verfügbar. Jeder möchte, dass möglichst schnell das Käferholz verschwindet.

Für den betreuten Wald in unserem Forstamt bedeutet diese Situation, dass wir weiterhin vor einer schwierigen Aufgabe stehen. Wir bemühen uns, das Zusammenspiel von Holzabsatzkontingenten und Unternehmereinsatz zu koordinieren. Wir versuchen, möglichst viel Holz in die Sägeindustrie fließen zu lassen und suchen auch nach neuen Absatzmöglichkeiten, z.B. im Übersee-Exportbereich. Für Holzeinschlagsmaßnahmen, die sich innerhalb eines freien Kontingentes bewegen, gelten folgende Empfehlungen:

.        Möglichst frisch vom Käfer befallenes Holz vorrangig ernten. Hier sind noch "weisse Stadien" (Eier, Larven und Puppen) im Holz. Diese werden durch den Einschlag, vor allem bei Harvestereinsatz, zerstört und am Ausfliegen gehindert.
.        Aushalten einer großen Menge Papierholz; dieses wird derzeit am Markt gesucht und der Preis ist nur unwesentlich geringer als der Marktpreis für käferhaltige Fichtenabschnitte.
.        Hölzer mit einem Durchmesser unter 20 cm sollten ins Papier- oder Spanholz (ggf. Palette) geschnitten werden, damit diese schwachen und sehr schlecht bezahlten Dimensionen nicht die Kontingente für stärkeres und besser bezahltes Holz blockieren.
.        Als letzte Bekämpfungsmöglichkeit kann das aufgearbeitete Holz durch sachkundige Personen mit geeigneten und zugelassenen chemischen Bekämpfungsmitteln gespritzt werden, um den Ausflug der Käfer zu verhindern und die Population für das Frühjahr zu
              minimieren.

Dies sind einige Hinweise, die Ihnen die Situation und unsere Reaktion und Vorgehensweise verständlicher machen sollen. Bitte melden Sie sich bei den Revierleitungen oder bei mir, wenn Sie Fragen haben. Wir sind bemüht, möglichst vielen Waldbesitzenden zeitnah zu helfen, haben aber - wie oben beschrieben - Hemmnisse und Probleme in der Bewältigung der Situation. Daher bitten wir auch um Geduld und Verständnis, wenn Sie warten müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg Fillmann
Wald und Holz NRW
Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft